Caroline Kempter – eine (fast) vergessene Illertisser Persönlichkeit

Caroline Kempter (1856-1925)

Aufgewachsen als behütete Tochter aus wohlhabendem Haus hat sie nicht den im 19. Jh. vorgegebenen Weg einer gutsituierten Ehefrau und Mutter gewählt, sondern sich durch Ausbildung, selbständige Arbeit und Durchsetzungsvermögen eine eigenständige Karriere als freischaffende Künstlerin in München aufbauen können. Ihr Leben ist ein erfolgreiches Beispiel für die frühe Emanzipationsgeschichte der Frauen im späten 19. Jh. gegen den Widerstand der bestehenden Gesellschaftsordnung.

 

„Landschaft bei Landsberg am Lech“
Öl auf Holz
ca. 32 x 40 cm (o. R.)
ca. 48 x 56 cm (inkl. R.)
um 1920
Signatur: unten links „C. Kempter“
Preis auf Anfrage

Dieses malerisch ausgewöhnlich stimmige Werk der Malerin Caroline Kempter spiegelt das aussergewöhnliche Talent und das malerische Können der Künstlerin geradezu in Perfektion wieder.

Als besonders fazinierend bei diesem Bild darf der einheitlich pastose Farbauftrag, die extrem schwierige Darstellung der Lichtverhältnisse (hier: Gegenlicht) und der konsequent umgesetze (post-)impressionistische Malstil genannt werden.

Seit dem 17. Jahrhundert herrschte in der malenden Kunst eine Vorstellung, nach der das Bild die Wirklichkeit möglichst exakt wiedergeben sollte. Dies schränkte die künstlerische Freiheit ein und führte spätestens in der Mitte des 19. Jahrhundert zu einer malerischen Revolution: Die Impressionisten waren sich der Unzulänglichkeiten ihrer malerischen Mittel bewusst und begegneten diesen mit einem stärkeren Akzent auf Farbkombinationen. Die Zeichnung, welche zuvor Grundlage des Bildes war, verlor zusehends an Bedeutung. Stattdessen waren es die Farben und dessen stärkerer Auftrag, welche die Seele eines Bildes ausmachten.

Aufgrund ihrer Vorliebe für die Freiluftmalerei („plein-air“) stimmten die Impressionisten ihre Farbpaletten auf die Helligkeit ab. Sie verwendeten bis zu 20 Spektralfarben und verzichteten ab den 1870er Jahren auf Schwarz. Eine Ermutigung zur Freiluftmalerei war sicherlich die aufkommende Herstellung von transportablen Farbtuben. Die neuen Farben waren insgesamt leuchtender und ermöglichten einen pastosen Farbauftrag ohne zu verlaufen. Die Helligkeit ihrer Bilder förderten die Impressionisten auch durch eine spezielle Malweise: Unterschiedlich lange und breite Pinselstriche ließen zahlreiche Farbflecken entstehen, deren Farbkontraste eine hellere Darstellung bewirkte.

Das hier beschriebene Ölbild der Künstlerin Caroline Kempter spiegelt exakt diese Entwicklung in der (post-)impressionistischen Kunst bis zur Perfektion wieder und darf zweifelsohne als ein Meisterwerk der Künstlerin bezeichnet werden.

 

05.02.1856 geboren in Illertissen, Eltern: Max Josef Kempter, Guts- und Gasthofbesitzer (Hirsch) in Illertissen und Caroline, geb. Rief

1881-1883 Schülerin an der kgl. Kunstgewerbeschule in München, Schülerin des Landschaftsmalers Adolf Stäbli (1842-1901) in München

1891-1920 ordentliches Mitglied des Künstlerinnen-Vereins München, seit 1895 aktiv im Ausschuß und in der Jury tätig, freischaffende Künstlerin: Zeichnungen, Aquarelle, Ölgemälde, Holzschnitte

1894-1895 Aufenthalt in Valparaiso, Chile (Studienreise)

1899-1904 Lehrerin an der Damen-Akademie des Künstlerinnen-Vereins München für die Fächer Blumen, Landschaften, Stillleben, zusätzlich eigene Privatschule mit Atelier

1891-1922 Teilnahme an Ausstellungen im Münchner Glaspalast, in der Münchner Sezession sowie an der Großen Kunstausstellung in Berlin 1891 und 1897 und der Bremer Kunstausstellung 1891

1916-1925 Sommer- und Herbstaufenthalte mit ihrer Malschule in Landsberg/Lech

27.08.1925 Caroline Kempter stirbt in Illertissen. Der Grabstein mit ihrer Inschrift „Caroline Kempter, Kunstmalerin“ befindet sich auf dem Illertisser Friedhof.

Ehrungen

  • Caroline-Kempter-Weg in Illertissen

Literatur

Beate Sauerbrey: Caroline (Lina) Kempter (1856-1925), eine vergessene Illertisser Persönlichkeit. Aufsatz in mehreren Teilen in der Jahresschrift „Der Heimatfreund“ des Vereins für Heimatpflege Illertissen und Umgebung e.V.

1. Teil: Von der Bürgerstochter zur freischaffenden Kunstmalerin in München (Nr. 22, Oktober 2009)
2. Teil: Von der Studentin an der kgl. Kunstgewerbeschule zur freischaffenden Künstlerin (Nr. 23, Oktober 2010)
3. Teil: Von der freien Künstlerin zur Lehrkraft an der Damenakademie in München (Nr. 24, Oktober 2011)
4. Teil: Die eigene Malschule (Nr. 25, Oktober 2012)
5. Teil: Die letzten Jahre. Abschluss und offene Fragen (Nr. 26, Oktober 2013)

Museen

Die überfällige Würdigung einer bemerkenswerten Künstlerin aus Illertissen: das »Kempter-Kabinett« zeigt Werke und persönliche Gegenstände des »Malerweibs« Caroline Kempter (1856–1925) im Museum Illertissen.

Museum Illertissen
Schlossallee 23
89257 Illertissen
museum-illertissen.de


Quellen: wikipedia
Beitragsfoto: Nachlass von Theo und Luise Blech, Berlin


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