Else Hertzer – eine bedeutende Expressionistin aus Wittenberg

Else Hertzer  (* 24. November 1884 in Wittenberg als Else Heintze; † 9. Februar 1978 in Berlin) war eine deutsche Malerin sowie Graphikerin und bedeutende Vertreterin des deutschen Expressionismus.

 

„Pappelallee vor Wittenberg“

Öl auf Leinwand
65,0 x 80,0 cm (o. R.)

ca. 85,0 x 100,0 cm (m. R.)
Signatur und Datierung: „E. Hertzer’39“
Preis auf Anfrage

„…In insgesamt fünf eigenen Berliner Ausstellungen, die entweder im Parkhaus im Englischen Garten oder im Haus am Lützowplatz präsentiert wurden, waren neben herausragenden Berliner Motiven wie dem Ölbild „U-Bahnbau Spittelmarkt“ (1918) und Impressionen von zahlreichen Studienreisen (Italien, Spanien, Dalmatien) stets auch Arbeiten mit Wittenberg-Motiven zu sehen, darunter auch eines ihrer Hauptwerke: Das Ölbild „Pappelallee vor Wittenberg“ (1939)…“

wikipedia, Juni 2020

 

Abbildung: Else Hertzer, 1884-1978: das nachgelassene Werk aus 70. Jahren : Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle, Druckgrafik : [Ausstellung] vom 24. März bis 22. April 1979, Kunstamt Tiergarten im Haus am Lützowplatz, Förderkreis Kulturzentrum Berlin e.V., Berlin.

 

In den sieben Jahrzehnten, in denen sie künstlerisch aktiv war, schuf sie 215 Öl- und Temperabilder, 310 Aquarelle sowie zahlreiche Zeichnungen, Holzschnitte, Kaltnadelradierungen und Schablonendrucke.

Bereits als junges Mädchen ritzte Else im Winter kleine Figuren in das vereiste Fenster der elterlichen Wohnung in der Collegienstraße 22, wodurch eine der Fensterscheiben zu Bruch ging, woraufhin ihr die Eltern einen Tuschkasten schenkten. Bevor Else Hertzer 1909 heiratete und ihre Geburtsstadt Wittenberg im gleichen Jahr verließ, um fortan mit ihrem Mann Otto in Berlin zu leben, schuf sie bereits handwerklich ausgereifte Landschaftsbilder mit Impressionen aus dem Umfeld ihrer Geburtsstadt.

Von 1909 an im Berliner Stadtbezirk Tiergarten lebend (zunächst Altonaer Straße, später und bis zum Lebensende in der Dortmunder Straße 7), ließ sie sich bei George Mosson und an der Akademie der Künste als Kunstmalerin ausbilden. 1929 nahm sie zudem Unterricht bei André Lhote in Paris.

In den Jahren 1911 bis 1913 hielt sich Else Hertzer mehrfach bei ihrem Schwager und ihrer Schwiegermutter im thüringischen Buttstädt auf. Hier schuf sie mehr als dreißig Kaltnadelradierungen und Ölbilder. Bereits in dieser frühen Phase waren einige dieser Buttstädt-Bilder expressionistisch, etwa die Ansicht einer Dorfstraße mit violetten Schatten oder das Bild „Interieur mit Büchertisch“ von 1912.

Ab 1918 war Else Hertzer über mehrere Jahre in den Ausstellungen der Berliner Sezession vertreten, ihr Debüt gab sie mit dem Gemälde „Frohnau“. Der Parthenon-Verlag verlegte 1924 eine von Else Hertzer handgeschriebene und mit sechs Holzschnitten versehene Ausgabe des Atlakvida. Das alte Atlilied, von denen jedes Exemplar von Hand farblich gestaltet, nummeriert und signiert wurde. Die Höhe der Auflage betrug 250 Exemplare. Im gleichen Jahr gestaltete sie zusammen mit der Künstlerin Ruth Laube die von Hugo von Waldeyer-Hartz verfasste Legende „Vom deutschen Glauben“. Ruth Laube schuf dafür zwei Farbholzschnitte und Else Hertzer gestaltete die Schrift von Hand. Im Verein der Berliner Künstlerinnen (VdBK) war Else Hertzer seit 1928 Mitglied und für zwei Jahre im Vorstand sowie von 1930 bis 1933 Schriftführerin.

In insgesamt fünf eigenen Berliner Ausstellungen, die entweder im Parkhaus im Englischen Garten oder im Haus am Lützowplatz präsentiert wurden, waren neben herausragenden Berliner Motiven wie dem Ölbild „U-Bahnbau Spittelmarkt“ (1918) und Impressionen von zahlreichen Studienreisen (Italien, Spanien, Dalmatien) stets auch Arbeiten mit Wittenberg-Motiven zu sehen, darunter zwei ihrer Hauptwerke: Die Ölbilder „Kleiner Hafen bei Wittenberg“ (1935) und „Pappelallee vor Wittenberg“ (1939).

Der von Else Hertzer im Auftrag der Stadt Wittenberg 1940/1941 gestaltete Bunker steht nicht mehr, aber sie hat diesen Bunker im April 1945 gezeichnet und es gibt acht Fotos von ihrer großformatigen Wandgestaltung innerhalb des Bunkers. Dargestellt ist die Geschichte Wittenbergs, verteilt auf vier Wände und jeweils 7 × 2,60 Meter groß. Während sie daran arbeitete, wohnte sie bei ihrer früh verwitweten Mutter in einem Gründerzeitbau in der Lutherstraße 9, in dem sich zudem zeitweise die landwirtschaftliche Winterschule befand. Die Zerstörung der Stadt Wittenberg im Frühjahr 1945 dokumentierte Else Hertzer mit mehreren farbigen künstlerischen Arbeiten, die in der Mappe „Wittenberg 1945“ zusammengefasst sind. Zu diesem Mappenwerk gehören ebenfalls neun Porträts indischer Kriegsgefangener, deren Namen und Herkunftsort auf jedem Porträt zweisprachig festgehalten wurden.

Anlässlich des 90. Geburtstags der Künstlerin schrieb die Berliner Morgenpost zwei Mal über Else Hertzer und staunte über die „Frische und Schaffenskraft im hohen Alter“.[4] Diese Schaffenskraft bewahrte sie sich bis kurz vor ihrem Tod am 9. Februar 1978. Hertzers Spätwerk besteht aus abstrakten Kompositionen, Berlin-Impressionen, exotischen Tierdarstellungen und christlichen Themen. Zuletzt schuf sie ein Selbstporträt, das unvollendet blieb und dennoch ihre künstlerische Reife erkennen lässt.

Einige ihrer graphischen Werke mit Wittenberg-Motiven sowie große Teile der Mappe „Wittenberg 1945“ sind im Besitz der Städtischen Sammlungen der Lutherstadt Wittenberg. Nach Rückgabe zahlreicher Leihgaben im März 2017 befinden sich im Bestand der Berlinischen Galerie nur noch vier Kunstwerke von Else Hertzer. Eine Ausgabe des von Else Hertzer gestalteten „Atlakvida“ ist im Bestand vom Lindenau-Museum Altenburg, mehrere ihrer Farbstudien und ein Aquarell von 1946 gehören zum Bestand der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt und der von der VdBK übernommene Nachlass liegt im Archiv der Akademie der Künste Berlin.

Auf der Webseite des VdBK gibt es seit November 2016 einen Eintrag zu Else Hertzer im Online-Lexikon, das kontinuierlich erweitert wird:

http://www.vdbk1867.de/lexikon/else-hertzer/

 

Quelle:
wikipedia, Juni 2020
Beitragsfoto: Porträt von 1910, Mathias Tietke