Jo Jastram – einer der bedeutendsten deutschen Bildhauer nach 1989

Der Künstler „Jo“ (Joachim) Jastram
(Rostock, 4.9.1928 – 7.01.2011, Ribnitz-Damgarten) ist als ehemaliger DDR-Bürger wohl eher zwangsläufig lange Jahre dem westdeutschen und dem entsprechend europäischen “Kunstbetrieb“ mit seinen Kunstkennern und –freunden relativ unbekannt geblieben, inzwischen allerdings zählt man Jastram zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern nach 1989.

Vita

Jastrams Eltern, eine Lehrerfamilie, ziehen ihren Sohn wohlbehütet in Rostock auf. Sehr früh, bereits während seiner Schulzeit in der St.-Georg-Schule, bemerkt man seine visuelle Fähigkeit, die ihn interessierenden Momente bildnerisch festzuhalten. Dieses Talent fördernd steht ihm während dieser Zeit sein Lehrer Thuro Balzer hilfreich zur Seite.

Noch zu Ende des Zweite Weltkriegs ereilt Jastram die Einberufung zum Volkssturm und gerät später sogar in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach dem Krieg findet er zunächst als Waldarbeiter die Möglichkeit, sein Leben zu finanzieren, um danach eine Lehre zum Brunnenbauer zu beginnen.

Doch beide Berufe setzten Jastrams künstlerischen Kreativität enge Grenzen, und so ist es kein Wunder, dass er durch erneuten Berufswechsel versucht, die Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen, zu realisieren. In der Ausbildung zum Holzbildhauer findet Jastram seinen Traum, seine Berufung erfüllt. Seine ständige Leidenschaft, Flächen zu Körpern in seinem Sinne zu formen, bringt ihn dazu, die Fachschule für Holzkunst in Empfertshausen/Rhön, mit großer Begeisterung, Fleiß und weiteren Kenntnissen zu besuchen.

Jo Jastram - Jacob

„Jacob“
Bronze
ca. 107 x 31 x 32 cm
signiert und datiert 1986
WVZ 217
Preis auf Anfrage

Jo Jastram - Jacob

Der Bildhauer Jo Jastram neben seiner Bronze „Jacob“ (1986)

 

Schon in diesem Jahr wird Rostock Jo Jastrams Arbeits- und Lebensmittelpunkt, hier in Rostock arbeitet jetzt, nach so vielen Wander-, Lehr- und Studienjahre der freischaffende und selbständige Bildhauer Jo Jastram.

1973 wird Kneese (jetzt Ortsteil von Marlow) sein Schaffens- und Lebensmittelpunkt.

1964 wird Jastram an die Universität Greifswald berufen, er erhält einen Lehrauftrag, Von 1980 bis 1986 erhält er einen weiteren Lehrauftrag und eine Professur für Plastik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Die BildhauerInnen Gerti Bauer, Daniel Hillert, sein Sohn Michael Jastram, Reiner Kessel, Peter Lewandowski, Michael Mohns, Jens-Uwe Raddatz, Susanne Rast, Hans Schlegel, Anne Sewcz und als Meisterschüler der Maler Martin Colden und der Zeichner Michael Reich sind in dieser Zeit neben vielen anderen, eingeschriebene Studenten bei ihm.

Ab 1956, Jastram ist in Rostock selbständiger Künstler, ist er Mitglied des Verbandes Bildender Künstler der DDR (VBK), wird 1974 dessen Vorsitzender im Bezirk Rostock und 1975 Präsident des Internationalen Komitees der Biennale der Ostseeländer. Er wird Vorsitzender des Arbeitskreises Ernst Barlach im Kulturbund der DDR und gehört von 1983 bis 1993 der „Akademie der Künste der DDR“ bzw.1990 -1993 „Akademie der Künste zu Berlin“ an. Ab 1990 ist er Mitglied des Künstlerbundes Mecklenburg-Vorpommern e.V. im Bundesverband Bildender Künstler. Aus der 1993 vereinigten „Akademie der Künste“ tritt er 1995 aus.

Ein großartiges Lebenswerk mit einer Fülle von Porträts, figürlichen Darstellungen von Mensch und Tier und auch Arbeiten für den öffentlichen Raum – Brunnen, Kirchentüren, Reliefs und Denkmäler- zeigt sich in der umfangreichen Hinterlassenschaft des Bildhauers Jo Jastram. Zum Beispiel schuf er 1971 für das Hotel Neptun in Warnemünde einen bemerkenswerten Wandfries, 1977 waren auf der documenta 6 in Kassel seine bronzenen „Ringer“ zu sehen, und als Geschenk der DDR an den äthiopischen Diktator Mengistu Haile Mariam schuf Jastram ein Denkmal in Addis Abeba und 1991 die Statue Felix Mendelssohn-Bartholdys für das Leipziger Gewandhaus.

Zu seinen bekanntesten Werken zählen u.a. wohl der „Brunnen der Lebensfreude“, Universitätsplatz in Rostock, 1978 gemeinsam mit Reinhard Dietrich realisiert und die „Große afrikanische Reise“ (seit 1983), aufgestellt 2008 am Rostocker Stadthafen. Seine letzte große Arbeit im öffentlichen Raum ist die 2009 an der Ribnitzer Uferpromenade aufgestellte Figurengruppe „Der Zirkus kommt“, eine Zusammenarbeit mit Susanne Rast.

1984, anlässlich des Staatsbesuchs von Erich Honecker, wird erneut eine Jastram-Arbeit, ein steinernes Denkmal, in Addis Abeba aufgestellt.

Seit dem 9. November 2017 steht eine weiter Arbeit Jastrams am Schweriner Ziegelinnensee vor dem Speicherhotel neben dem Bootsanleger, es ist ein Stahlrelief.

Viele nationale und internationale Ausstellungen geben Auskunft über das Wirken dieses Künstlers, von dem man glauben muss, dass sich in seinen Figuren das individuelle, das innewohnende Wesen spiegelt, gebändigt und wild in seinen Pferden, melancholisch und anziehend fremdartig die Figuren aus Asien oder Afrika, emphatisch und mit dem Betrachter kommunizierend die Porträts.

Jastram und seine Frau Inge, auch sie als Grafikerin der Kunst verschrieben, haben neben der Tochter, Susanne Rast, ebenfalls Bildhauerin, noch drei Söhne, den Designer Matthias Jastram und die beiden Bildhauer Michael und Jan Jastram.

Ehrung (Auswahl)

  • mehrfach Kunstpreis der DDR
  • mehrfach Nationalpreis der DDR
  • 1988 Vaterländischer Verdienstorden in Gold
  • 1999 wurde er Kulturpreisträger der Stadt Wernigerode.

Literatur (Auswahl)

  • Kurzbiografie zu: Jastram, Jo. In: „Wer war wer in der DDR? „, 5. Ausgabe. Band 1, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.

 

Quellen: 
wikipedia Dezember 2019,
Beitragsfoto: Jo Jastram, „Jacob“ (107 x 31 x 32 cm, WVZ 217, 1986).