Henriette „Henni“ Lehmann, geboren am 10. Oktober 1862 in Berlin, war eine deutsche Künstlerin, Autorin sowie eine engagierte politische und soziale Aktivistin. Sie entstammte einer jüdischen Familie; ihr Vater, Wolfgang Straßmann, war ein liberaler Stadtverordneter in Berlin und Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses. Nach ihrer Ausbildung an der Königlichen Kunstschule heiratete sie 1888 den Juristen Karl Lehmann, mit dem sie nach Rostock zog. Dort engagierte sie sich als Vorsitzende des Rostocker Frauenvereins und setzte sich für soziale Reformen ein.
Sommermonate auf Hiddensee
Ab 1907 verbrachte Henni Lehmann regelmäßig die Sommermonate auf der Ostseeinsel Hiddensee. Im selben Jahr erwarb sie in Vitte ein Grundstück und ließ dort ein Landhaus errichten, das bis 1937 als Sommersitz diente. Dieses Haus, entworfen vom Schweriner Architekten Paul Ehmig, trägt seit 2000 den Namen Henni-Lehmann-Haus und wird heute für kulturelle Veranstaltungen und als Bibliothek genutzt.
Henni Lehmann setzte sich intensiv für die Verbesserung der Lebensbedingungen auf Hiddensee ein. 1909 war sie Mitbegründerin der Genossenschaftsreederei, 1913 gewährte sie den Insulanern ein Darlehen zum Bau eines Arzthauses, und 1914 gehörte sie zu den Gründungsmitgliedern des Natur- und Heimatschutzbundes Hiddensee.
Um 1919 erwarb sie die benachbarte Bäckerscheune und ließ sie zu einem Atelier mit Ausstellungsraum umbauen – der sogenannten Blauen Scheune. Diese wurde zum Zentrum des Hiddensoer Künstlerinnenbundes, den sie gründete und zu dem Künstlerinnen wie Clara Arnheim, Elisabeth Büchsel und Käthe Löwenthal gehörten. In der Blauen Scheune fanden regelmäßig Ausstellungen statt, die zur kulturellen Belebung der Insel beitrugen.
Politisches und soziales Engagement
Henni Lehmann war nicht nur in der Kunstszene aktiv, sondern engagierte sich auch politisch und sozial. Während des Ersten Weltkriegs leitete sie die Göttinger Abteilung des Nationalen Frauendienstes innerhalb des Vaterländischen Kriegshilfsdienstes. In der Weimarer Republik stand sie der Sozialdemokratie nahe und engagierte sich in der Arbeiterwohlfahrt. Sie verfasste sozialkritische Romane und hielt Vorträge, in denen sie sich gegen Antisemitismus aussprach und für soziale Gerechtigkeit eintrat.
Letzte Jahre und Vermächtnis
In den 1930er Jahren verschlechterte sich die politische Situation für Henni Lehmann aufgrund ihrer jüdischen Herkunft und ihres sozialen Engagements. 1934 verkaufte sie die Blaue Scheune und zog sich zunehmend zurück. Am 18. Februar 1937 nahm sie sich in Berlin das Leben. Ihr ehemaliges Wohnhaus auf Hiddensee wurde später von der Gemeinde erworben und diente bis 1991 als Rathaus. Heute erinnert ein Stolperstein vor dem Henni-Lehmann-Haus an ihr Leben und Wirken.
Henni Lehmann hinterließ ein bedeutendes kulturelles Erbe auf Hiddensee. Ihr Engagement für die Inselgemeinschaft und ihr Einsatz für soziale Gerechtigkeit bleiben unvergessen.

In den Gehweg zum „Henni-Lehmann-Haus“ (Hiddensee) wurde am 14. Juli 2008 ein Stolperstein eingelassen, der an die Verfolgung der jüdischen Künstlerin durch die Nationalsozialisten und ihren Suizid erinnert.
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