Künstlerinnen der Moderne – Magda Langenstraß-Uhlig und ihre Zeit

24.10.2015 – bis  31.01.2016

 

Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte
Am Alten Markt
14467 Potsdam

 

Aus Anlass des 50. Todestages der Künstlerin Magda Langenstraß-Uhlig (1888-1965) zeigt das Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte eine umfangreiche Retrospektive und stellt alle Schaffensperioden sowie Themen der Künstlerin vor.

Uhlig

Das Gesamtwerk der Künstlerin ist untrennbar mit bedeutenden Entwicklungsphasen der Kunst des 20. Jahrhunderts verbunden. Ob in Weimar, Dessau oder Berlin – immer wieder lebte und wirkte Magda Langenstraß-Uhlig in Zentren, wo die Moderne für Umbrüche sorgte.

ohne_rahmen_9_magda_langenstra-uhligselbstbildnis_im_profil_mit_hut

Anliegen der Ausstellung ist es, die Künstlerin in ihrer regionalen Verankerung im Potsdamer und Berliner Raum zu präsentieren. Der Fokus der Ausstellung liegt dabei auf den Gemälden und Grafiken von Magda Langenstraß-Uhlig, die gemeinsam mit Arbeiten bekannter und weniger bekannter Künstlerinnen gezeigt werden.

Quelle: Veranstaltungskalender Potsdam

cropped-logo-galerie-for-web11.jpgDie Galerie “Der Panther” – fine art unterstützt die Ausstellung im Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte mit mehreren Werken der Künstlerinnen Julie Wolfthorn, Elisabeth Büchsel, Anna Saur, Käthe Loewenthal, Elisabeth Andrae sowie Hanna Mehls.

 

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.


Ausstellungsflyer

Flyer-1

 

Flyer-2


Interview zu Magda Langenstraß-Uhlig:

„Hätte ich doch nur zwei Leben“

Magda Langenstraß-Uhlig war eine große Künstlerin der Moderne – und eine, die nicht in Berlin sondern in Potsdam lebte. Jutta Götzmann, Direktorin des Potsdam Museums erklärt, warum der Malerin die große Herbstausstellung gewidmet wird.

Frau Götzmann, die für Oktober geplante Ausstellung des Potsdam Museums – Ihre Jahresausstellung – rückt die Bauhaus-Künstlerin Magda Langenstraß-Uhlig ins Zentrum. Warum sie?

Sie gilt als eine der Pionierinnen der Moderne, sie lebte und arbeitete in Rehbrücke – und sie hat dieses Jahr ihren 50. Todestag. Viele Künstler, die so stark in die Entwicklung der Moderne involviert waren, die am Bauhaus waren, lebten in den großen Kunstmetropolen, in Berlin. Nur sehr wenige waren in Potsdam ansässig. Magda Langenstraß-Uhlig hingegen lebte über Jahrzehnte in Rehbrücke – insofern haben wir einen wunderschönen Anlass, ihr eine Ausstellung zu widmen und zugleich den Blick über ihre direkten und indirekten Kontakte auf die Künstlerinnen der Moderne zu richten.

Eigentlich kennt man auch noch  aus dieser Zeit vor allem Männer.

Es gibt dazu auch ein ziemlich anschauliches Beispiel aus Langenstraß-Uhligs Leben: Sie hat im August 1919 zusammen mit Kurt Schwitters in Herbert Waldens Sturm-Galerie am Potsdamer Platz in Berlin ausgestellt – die Adresse für die Avantgarde schlechthin, dort wollten alle ausstellen. Schwitters war damals eigentlich noch wenig bekannt – was aber in der Kunstgeschichtsschreibung in Erinnerung blieb, war, dass er diese Ausstellung erhalten hatte. Dass Magda Langenstraß-Uhlig gleichzeitig mit 15 Arbeiten vertreten war, wird nicht mehr erwähnt.

Ein typisches Schicksal?

Ja, viele die in ihrer Zeit sehr erfolgreich waren, wie etwa die Niederländerin Jacoba van Heemskerck, sind später einfach hinten runtergefallen.

Und das, obwohl die Avantgarde ja eigentlich mit einem progressiveren Gesellschaftsbild einherging.

Naja, das ist genau das, was wir auch zeigen wollen – für die Frauen war die Ausbildung nicht einfach, der Beruf der Künstlerin etablierte sich gerade erst. Die wenigsten hatten einen freien Zugang zu Studienplätzen. Magda Langenstraß-Uhlig ist eine der ersten Frauen in Deutschland, die ein Studium an einer Kunsthochschule – sie war in Weimar an der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule – mit Diplom abschloss, 1911. Das war übrigens eine der ersten Kunsthochschulen in Deutschland, die sich überhaupt für Frauen öffneten. Berlin war da später dran, der konservative Akademiedirektor Anton von Werner lehnte noch 1904 eine Eingabe zur Aufnahme von Studentinnen ab.

Haben sich die Künstlerinnen der Moderne gegenseitig unterstützt?

Ja, es gab zahlreiche Netzwerke. Viele lernten sich auf privaten Kunstschulen kennen, Käthe Kollwitz – die übrigens auch in unserer Ausstellung vertreten sein wird – leite eine dieser Schulen in Berlin. Wir stellen Magda Langenstraß-Uhlig nicht alleine aus, wir betten sie ein in einen Kreis von 17 Künstlerinnen, deren Wege sich gekreuzt haben. Etliche lernten sich über die Sturm-Galerie kennen, Gabriele Münter stellte dort aus, andere waren beispielsweise gemeinsam auf der Großen Kunstausstellung in Berlin vertreten. Ab 1926 war Magda Langenstraß-Uhlig Mitglied in der Künstlergruppe „Die Abstrakten“, dort traf sie etwa Alice Lex-Nerlinger.

Eine feministische Ausstellung?

Die Frauen besaßen ein starkes Selbstbewusstsein und organisierten sich. Man muss sich vor Augen halten: Das Kaiserreich wurde gerade überwunden. Das neue Frauenbild – mit Hosen, androgynen Kurzhaarschnitten – setzte sich gerade erst durch. Auch deshalb bekam übrigens das Porträt in der Weimarer Republik eine neue, starke Bedeutung, wie unsere Ausstellung zeigen wird.

Sie haben also den lokalen Bezug – Magda Langenstraß-Uhlig – zum Anlass genommen, eine internationale Ausstellung zu konzipieren.

Genau. Deshalb ist das auch für uns die große Sonderausstellung des Jahres. Neben Käthe Kollwitz zeigen wir etwa auch Arbeiten von Julie Wolthorn sowie von Jacoba van Heemskerck, die große Erfolge feierte und bei fast allen Ausstellungen der Sturmgalerie vertreten war.

Wie kam Magda Langenstraß-Uhlig überhaupt nach Potsdam?

Über Umwege. Ende 1926 suchte sie nach einem Haus im Umkreis von Berlin für sich und ihre Kinder und entdeckte die Künstlerkolonie in Rehbrücke. Nach dem Studium hatte sie den Arzt Karl Langenstraß geheiratet, hatte zwei Kinder mit ihm – bis er sich 1923 überlegte, in die USA zu gehen und sie mit den beiden Mädchen plötzlich alleine dastand.

Freischaffend, alleinerziehend – unter solchen Bedingungen würden selbst heute noch viele Frauen klagen.

Ja, sie war – aus heutiger Sicht – eine unglaublich moderne Frau, zog ihr Studium zu einer Zeit durch, als das für Frauen kaum möglich war, und entschied sich als Alleinerziehende dann auch noch, ans Bauhaus zu gehen, 1924, weil sie wusste, das ist die modernste Kunstschule ihrer Zeit. Dort, so ihr Hintergedanke, konnte sie auch in den Bereich der Angewandten Kunst – in ihrem Fall die Weberei – gehen, was ihre Berufschancen verbesserte. Ihren Kindern, den „Wichties“, wie sie sie nannte, schrieb sie rückblickend: „Hätte ich doch nur zwei Leben, eins für die Kunst und eines für euch.“ Diese innere Zerrissenheit durchzieht ihre Tagebücher.

Ziemlich mutig.

Ja, aber das hatte sie schon während des Ersten Weltkriegs bewiesen, als sie mit ihrem Mann, der als Truppenarzt eingesetzt wurde, mit an die Front reiste, ihn in die Lazarette begleitete und dort gezeichnet hat. Wir hatten in unserer Ausstellung zum Ersten Weltkrieg schon einmal zwei, drei Arbeiten von ihr gezeigt. Da sieht man noch, dass sie zunächst eine wilde Impressionistin war, erst später ging sie über in die Neue Sachlichkeit.

Was zeichnet sie, ihren Stil aus?

Sie hat sehr kühle Farben verwendet, viel Blau, und die Farben nicht auf der Palette gemischt, sondern sie rein und direkt auf der Leinwand nebeneinander gesetzt – wie es für die Impressionisten typisch ist. Dadurch glühen die Farben. Das sieht man auch in den Landschaftsbildern, die sie unter anderem in Rehbrücke malt. Sie und ihre Töchter durchkämmen dort die Wiesen und Wälder, sie hat wirklich eine enge Verbindung zur Region. Das war für uns auch der Ansatz. Die Aufarbeitung ihrer Person begann erst vor einigen Jahren in Weimar, da standen aber ihre Bauhaus-Arbeiten im Vordergrund.

Apropos Aufarbeitung – wie erging es ihr während der NS-Zeit?

Es ist interessant, dass es nur drei Selbstporträts von ihr gibt – und alle entstanden 1933. Ich nenne sie Profile des Rückzugs, die entstanden sind, als es den Künstlerinnen nicht mehr möglich war, ihren Ideen nachzugehen. Anders als ihre Kolleginnen galt sie aber nicht als entartet, war nicht verfolgt. Aber sämtliche Künstlervereinigungen wurden verboten, und wer nicht in der Reichskulturkammer war – wie sie – hatte nicht einmal mehr die Möglichkeit, Farben zu kaufen.

Was hat sie nach dem Krieg gemacht?

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs – 1947– ließ sie sich in Potsdam als Kunstmalerin registrieren und siedelte 1952 nach Wiesbaden über. Eine Zeit lang arbeite und lebte sie im Hohaus-Museum in Hessen.

Das Gespräch führte Ariane Lemme

Die Ausstellung läuft ab dem 24. Oktober im Potsdam Museum, Am Alten Markt

Jutta_GötzmannJutta Götzmann, geb. 1965 in Ascheberg in Nordrhein-Westfalen, studierte Kunstgeschichte an der Universität Münster. Seit Herbst 2008 leitet sie als Direktorin das Potsdam Museum.

 

 

 

 

 

 

 

Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten, vom 04.09.2015