Elisabeth von Eicken: Eine Pionierin der Freilichtmalerei

Elisabeth von Eicken (1862–1942) war eine bemerkenswerte deutsche Malerin, deren Werk stark von der Natur inspiriert war. Sie zählt zu den Pionierinnen der Freilichtmalerei und entwickelte ihren unverkennbaren Stil in einer Zeit, in der es für Frauen außergewöhnlich war, künstlerisch zu wirken und beruflich erfolgreich zu sein. Dieser Artikel beleuchtet insbesondere zwei prägende Aspekte ihres Lebens: ihre formative „Lern- und Findungsphase“ in Paris und die Bedeutung ihres Ehemannes sowie dessen Gutshaus Quassel für ihr Schaffen.

Elisabeth von Eicken, malend, um 1900, Foto: Archiv Verlag Atelier im Bauernhaus, Fischerhude

Kindheit und Ausbildung

Elisabeth von Eicken wurde als dritte Tochter des Kaufmanns und Fabrikanten Hermann Wilhelm von Eicken (1816–1873) und dessen Ehefrau Anna Elisabeth Borchers (1836–1916) in Mülheim an der Ruhr geboren. Von 1871 bis 1878 besuchte sie das städtische Lyzeum Luisenschule ihrer Heimatstadt. Später ging sie nach Paris, wo sie sich künstlerisch ausbilden ließ, insbesondere beim Landschaftsmaler Edmond Yon.

In dieser Zeit kamen in der Landschaftsmalerei starke Einflüsse von der Schule von Barbizon und Alfred Sisley hinzu. Außerdem besuchte sie zur weiteren Ausbildung die Städte Meran, Menton und Genf, wo sie ihre Fähigkeiten verfeinerte und ihren persönlichen Stil entwickelte.

Die „Lern- und Findungsphase“ in Paris

Ende des 19. Jahrhunderts zog Elisabeth von Eicken nach Paris, das zu dieser Zeit als das Mekka der Kunstwelt galt. Hier erlebte sie eine Phase, die sie später scherzhaft als ihre „Steinzeit“ bezeichnete – eine Zeit des intensiven Lernens, Experimentierens und manchmal auch der Entbehrungen. Paris bot ihr die Gelegenheit, sich mit der Impressionismus-Bewegung auseinanderzusetzen, die sie nachhaltig prägen sollte. Sie studierte an angesehenen Akademien wie der Académie Julian, die für Frauen zugänglich war, und stand unter dem Einfluss großer Meister wie Claude Monet und Camille Pissarro.

Ihre Werke aus dieser Zeit zeichnen sich durch eine meisterhafte Beherrschung von Licht und Farbe aus. Besonders auffällig ist ihr Umgang mit der Natur: Während viele ihrer Zeitgenossen urbane Szenen bevorzugten, konzentrierte sich von Eicken auf die Landschaft – mit einer Vorliebe für Felder, Wälder und Gärten. Diese Motive, gepaart mit der impressionistischen Technik, wurden zum Markenzeichen ihrer Kunst.

Der Einfluss von Gutshaus Quassel

Elisabeth von Eicken heiratete 1897 Richard Raimar Jeffry Henry Edler von Paepcke, den Gutsherrn auf Quassel aus der adligen Familie von Paepcke. Das Gutshaus, umgeben von einer malerischen Landschaft aus Wiesen, Wäldern und Seen, bot der Künstlerin nicht nur eine Heimat, sondern auch eine unvergleichliche Kulisse für ihre Werke. Die Gärten des Anwesens wurden zu einem wiederkehrenden Thema in ihrer Malerei.

Elisabeth von Eicken

„Im Park des Gutshauses Quassel“

Öl/Leinwand
links unten monogrammiert „E.v.E.“

ca. 40 x 70 cm (o. R.)
ca. 50 x 80 cm (m. R.)

Entstehung um 1900
Preis auf Anfrage

Hier konnte sie ungestört arbeiten und ihre Verbindung zur Natur vertiefen. Ihre Bilder aus dieser Periode zeugen von einer innigen Beziehung zur Umgebung und einer fast meditativen Hingabe an die Details. Insbesondere die Darstellung der wechselnden Jahreszeiten spiegelt ihre Faszination für die subtilen Veränderungen in Licht und Farbe wider.

Auch während ihrer Ehe, aus der zwei Töchter und ein Sohn hervorgingen, blieb Elisabeth von Eicken künstlerisch aktiv und unter ihrem Geburtsnamen von Eicken bekannt. Das Gut Quassel wurde im Jahr 1905 verkauft, und die Familie zog nach Berlin-Grunewald, wo Elisabeth von Eicken ihre künstlerische Tätigkeit fortsetzte und weiterhin ihrer Leidenschaft für die Malerei nachging.

Jahre in Ahrenshoop

Ein weiterer bedeutender Abschnitt in Elisabeth von Eickens Leben war ihre Zeit in Ahrenshoop, einem kleinen Künstlerdorf an der Ostseeküste. Hier ließ sie sich 1894 nieder und wurde Teil der wachsenden Künstlerkolonie, die von der natürlichen Schönheit der Region angezogen wurde. In Ahrenshoop ließ sie sich ein Atelier- und Wohngebäude errichten, das als „Villa Elisabeth von Eicken“ bekannt ist und mit Veränderungen bis heute erhalten ist.

Elisabeth von Eicken

„Hohes Ufer bei Ahrenshoop“

Öl/Malgrund
rechts unten monogrammiert „E.v.E.“

ca. 22,5 x 38,5 cm (o. R.)
ca. 30,5 x 46,5 cm (m. R.)
Entstehung um 1900
Preis auf Anfrage

Elisabeth von Eicken

„Fischer auf dem Bodden bei Ahrenshoop“

Öl/Leinwand
rechts unten monogrammiert „E.v.E.“

ca. 32 x 25 cm (o. R.)
ca. 48 x 42 cm (m. R.)

Entstehung um 1895
Preis auf Anfrage

Die Werke, die in Ahrenshoop entstanden, zeichnen sich durch eine besondere Lichtstimmung und die Darstellung der kargen, aber beeindruckenden Landschaft der Ostseeküste aus. Sie trug damit wesentlich zur Etablierung des Ortes als wichtiger Standort der Kunst in Deutschland bei. Elisabeth von Eicken war seit 1894 regelmäßig auf der Großen Berliner Kunstausstellung sowie auf zahlreichen Kunstausstellungen im In- und Ausland vertreten. Sie war Mitglied im Verein der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen zu Berlin und in der Deutschen Kunstgenossenschaft.

Vielseitige Künstlerin und spätere Jahre

Neben der Malerei widmete sich Elisabeth von Eicken auch der Kunstgewerbe. Sie arbeitete mit Keramik, Porzellanmalerei und Zimmerausstattungen. Auf der Weltausstellung 1904 in St. Louis wurde sie mit einer Goldmedaille für eine Werkgruppe ausgezeichnet.

Elisabeth von Eicken starb 1940 und wurde auf ihren Wunsch hin auf dem Friedhof von Ahrenshoop bestattet, wo ihr Grab bis heute an sie erinnert.

Vermächtnis und heutiger Stellenwert

Elisabeth von Eicken hinterließ ein beeindruckendes œuvre, das die Essenz der Natur in einer Weise einfängt, die zeitlos bleibt. Ihre Werke sind nicht nur ein Zeugnis ihres Könnens, sondern auch ein Fenster in eine Epoche, in der die Kunst begann, sich von akademischen Zwängen zu lösen und die individuelle Wahrnehmung zu feiern.

Heute wird Elisabeth von Eicken oft als Pionierin gewürdigt, deren Werk sowohl in der deutschen als auch in der internationalen Kunstgeschichte einen besonderen Platz einnimmt. Ihre Bilder sind in zahlreichen Museen und Sammlungen vertreten, darunter auch im Kunstmuseum Ahrenshoop, das ihr Schaffen und ihren Einfluss auf die Künstlerkolonie feiert. Kunsthistoriker schätzen sie für ihre einzigartige Verbindung von Impressionismus und Naturverbundenheit, die bis heute inspiriert.

Die Verbindung zwischen ihrer Pariser „Lern- und Findungsphase“, ihrem Leben auf Gut Quassel sowie in Ahrenshoop zeigt, wie vielseitig und anpassungsfähig sie als Künstlerin war. Während Paris sie in die Welt der modernen Malerei einführte, gaben ihr das Gutshaus und die Küstenlandschaft die Ruhe und Inspiration, um ihre eigene künstlerische Stimme zu finden.

Quelle:
Beitrag: Galerie „DER PANTHER“ – fine art;
Beitragsfoto: https://www.luebtheen.de/portal/seiten/gutshaus-in-quassel-900000139-28870.html
; Gutshaus Quassel um 1900.