(* 25. Juni 1852 in Hamburg; † 18. Januar 1936 ebenda) war eine Blumen-, Landschafts- und Porträtmalerin. Geschult in der altholländischen Tradition, wandte sie sich in späteren Jahren dem Impressionismus zu.

„Dünenlandschaft“
Öl auf Leinwand
u. r. signiert „Molly Cramer“
Maße: 50 cm x 70 cm (o. R.)
Preis auf Anfrage
Kunsthistorische Einordnung
Mit dieser eindrucksvollen Dünenlandschaft gelang Molly Cramer (1852–1936) ein Werk von außergewöhnlicher atmosphärischer Dichte und malerischer Qualität. In souveränem, impressionistischem Pinselvortrag verzichtet die Künstlerin bewusst auf jede erzählerische Staffage und konzentriert sich ganz auf das Wechselspiel von Licht, Wind und Landschaft. Der Blick des Betrachters wird entlang eines sandigen Dünenweges in die Weite der norddeutschen Küstenlandschaft geführt und vermittelt eindrucksvoll die stille Schönheit einer nahezu unberührten Natur.
Charakteristisch für Cramers reifes Schaffen ist der freie Farbauftrag, mit dem sie die unterschiedlichen Oberflächen von Sand, Gras und Heidevegetation in fein abgestuften Rosé-, Ocker-, Grün- und Grauvioletttönen modelliert. Die lockere Pinselführung verleiht dem Gemälde eine bemerkenswerte Lebendigkeit und dokumentiert eindrucksvoll die Hinwendung der Künstlerin zur impressionistischen Freilichtmalerei, deren wesentliches Anliegen die unmittelbare Wiedergabe wechselnder Licht- und Naturstimmungen war.
Nach heutigem Forschungsstand erscheint eine Entstehung des Gemäldes möglicherweise auf der Insel Sylt durchaus plausibel. Die markanten Wanderdünen mit ihren steilen Sandabbrüchen, der charakteristische Bewuchs aus Strandhafer und Heide sowie die offene, vom Wind geprägte Landschaft weisen deutliche Parallelen zu den Dünenlandschaften im Bereich Kampen und Wenningstedt auf. Sylt entwickelte sich um die Jahrhundertwende zu einem bevorzugten Aufenthaltsort zahlreicher Hamburger Künstler und bot ideale Voraussetzungen für das Arbeiten unter freiem Himmel. Ein eindeutiger dokumentarischer Nachweis des Entstehungsortes liegt bislang zwar nicht vor, die landschaftlichen Merkmale lassen jedoch eine Lokalisierung auf Sylt als kunsthistorisch gut begründete Hypothese erscheinen.
Das vorgestellte Gemälde dokumentiert eindrucksvoll Molly Cramers künstlerische Entwicklung von der akademisch geprägten Malerei ihrer frühen Jahre hin zu einer freien, lichtdurchfluteten Landschaftsauffassung. Zugleich unterstreicht es ihre bedeutende Stellung innerhalb des Hamburger Impressionismus und der norddeutschen Freilichtmalerei. Aufgrund seiner außergewöhnlichen malerischen Qualität zählt das Werk zu den bemerkenswerten Landschaftsdarstellungen der Künstlerin und besitzt sowohl kunsthistorisch als auch sammlerisch eine besondere Bedeutung.
Literatur / Abbildung:
„Fortsetzung folgt! 150 Jahre Verein der Berliner Künstlerinnen“ – Ausstellungspublikation, 25.11.2016 – 24.03.2017, Camaro Stiftung Berlin, ISBN 978-3932809-81-1
Leben
Molly Cramer stammte aus einer wohlhabenden Hamburger Kaufmannsfamilie. Eine Ausbildung als Malerin konnte sie – zusammen mit ihrer Schwester, der Malerin Helene Cramer – erst 1882 beginnen, nach dem Tod des Vaters. Ihr erster Lehrer war der Hamburger Zeichner Theobald Riefesell, es folgten die Maler Carl Rodeck und Hinrich Wrage. 1890 ging sie nach Antwerpen zu Eugène Joors, der sie in der Tradition der holländischen Schule unterrichtete. Vorrangig malte sie bei ihm Blumenstillleben.
Zurück in Hamburg, erwarb sie die Anerkennung des Kunsthallendirektors Alfred Lichtwark als Blumen- und Fruchtmalerin. Ganz in seinem Sinne beschäftigte sie sich vorwiegend mit der heimischen Flora, anstatt das zur leeren Formel gewordene Makartbouquet zu reproduzieren.
Ab 1898 wandte sich die Künstlerin neuen Themen zu und arbeitete an Landschafts- und Portraitdarstellungen. Stilistisch beschäftigte sie sich nun mit dem Impressionismus. Dennoch blieb das Blumenstillleben der Schwerpunkt ihres Schaffens.
Durch die Vermittlung Lichtwarks lernte sie die jüngeren Hamburger Maler wie Ernst Eitner, Arthur Illies und Paul Kayser kennen, die sich zum Hamburgischen Künstlerclub von 1897 zusammenschlossen. Beide Schwestern Cramer stellten im Anschluss mit ihnen aus, traten aber der Künstlervereinigung nicht bei.
Im Gegenzug entwickelte sich das Haus der Cramers zum Treffpunkt von Künstlern und Kunstfreunden. Darüber hinaus förderte Molly Cramer junge Maler, indem sie ihre Werke kaufte und Ernst Eitner auch Studienreisen finanzierte.
Die Künstlerin hatte Ausstellungen unter anderem in Moskau, Budapest, London und Chicago.
Gegen Ende ihres Lebens musste sie einen sinkenden Lebensstandard hinnehmen, so dass sie gezwungen war, Gemälde aus ihrer Sammlung zu verkaufen. Sie wohnte schließlich bei einer jüngeren Verwandten und starb am 18. Januar 1936 in Hamburg. Die Grabsteine von Helene und Molly Cramer stehen im Garten der Frauen auf dem Hamburger Ohlsdorfer Friedhof.
WEB-Links (Auswahl):
Literatur (Auswahl)
- „Fortsetzung folgt! 150 Jahre Verein der Berliner Künstlerinnen“; Ausstellungspublikation, 25.11.2016 – 24.03.2017, Camaro Stiftung Berlin, ISBN 978-3932809-81-1.
- Susanne Geese: Molly Cramer, in: Hamburgische Biografie Band 2, Hamburg 2003. ISBN 3-7672-1366-4. S. 94–95.
- Petra Wiechens: Hamburger Künstlerinnen der Avantgarde. Hamburg 2006. ISBN 3-937125-26-4. S. 8–9.
Quellen:
Wikipedia, März 2015;
Kunsthistorische Einordnung: Galerie DER PANTHER – fine art.

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